Ich hab's mit der freundlichen Hilfe des weitaus computerbewanderteten Bennys (Gracias an dieser Stelle!) endlich geschafft, meinen ersten offiziellen Zwischenbericht, den ich Ende Oktober für meine Entsendeorganisation in Deutschland schreiben "musste", online zu stellen. Rechts an der Seite findet ihr jetzt also den entsprechenden Link dazu - einfach anklicken, dann kann man den Bericht lesen und bei Bedarf auch runterladen und abspeichern.
Toll, was das Internet so alles kann oder?
Dienstag, 24. November 2009
Freitag, 13. November 2009
... immer auf Achse
Buenas Noches Todos !!
Ich weiß... Asche auf mein Haupt, dass ich nun schon soooo lange nichts mehr geschrieben habe. Tut mir wirklich leid! Aber ich hatte im letzten Monat wirklich viel zu tun, proppevolle Wochenenden, viele viele neue Dinge... Da hatte ich einfach nicht die Zeit zum Schreiben, aber vor allen Dingen fehlte mir die Ruhe dazu, da man ja irgendwie immer erst einmal selber die ganzen Ereignisse duchdenken und sich setzen lassen muss, bevor man sie zu Texten weiterverarbeitet.
So, dafür aber jetzt. Was ist in den letzten Wochen alles passiert?
Anfang Oktober war ich, trotz meiner sonstigen Abneigung gegen Fußball, mit vier anderen Voluntären bei dem Länderspiel Argentinien gegen Peru. Dieses Spiel war besonders wichtig, da es für Argentinien um die Qualifikation zur Weltmeisterschaft 2010 ging. Insgesamt war der ganze Tag ein super Erlebnis! Bereits auf dem Weg zum Stadion, auf dem wir uns einfach von den MenschenMASSEN haben mitziehen lassen, herrschte eine Megastimmung. Überall hörte man Sprechchöre und Murgatrommeln, die die Menge anheizten. Der große Wow-Effekt kam dann, als wir das Stadion betraten: Ich habe noch nie so ein riesiges Fußballstadion gesehen (wenn doch, kann es nicht so beeindruckend gewesen sein, da ich mich offensichtlich nicht dran erinnere) ! Während die erste Halbzeit eher langweilig war, gestaltete sich die zweite dafür umso spektakulärer. Erst fiel ein Tor (juchu! große Erleichterung in ganz Argentinien), dann fing es auf einmal an, wie aus Kübeln zu gießen und zu gewittern, worauf weder Fans noch Spieler vorbereitet waren. Als dann auch noch Peru ein Tor schoss, glich die Situation dem Weltuntergang - doch dann, in der vorletzten Minute der Nachspielzeit, kam das erlösende 2:1 für Argentinien! Das Stadion tobte und Diego Maradonna hat vor Freude einen Bauchklatscher auf dem schwimmenden Rasen hingelegt, der am nächsten Tag in sämtlichen Zeitungen Argentiniens auf der Titelseite zu bewundern war. Am beeindruckendsten waren für mich die "Sicherheitsvorkehrungen", die bei solchen Fußballspielen gelten. Schon auf dem Hinweg kamen uns ein riesiger Trupp an Polizisten entgegen, die allesamt mit Schlagstöcken und Schusswaffen bewaffnet waren. Außerdem wird auf Fußballtunieren grundsätzlich kein Bier verkauft, da das Gewaltpotenzial anscheinend auch nüchtern schon hoch genug ist... die Schimpftiraden, mit denen die Argentinier ihre peruanischen Gegner beschimpften, hinterließen auf jeden Fall einen bleibenden Eindruck. Während man auf deutschen Fußballplätzen vielleicht Ausdrücke wie "Schweine" oder "Weichei" hört, legen die Argentinier gleich mit richtig harten Kraftausdrücken los. Hinter mir saß ein kleiner Junge, der mit seinem Vater das Spiel angeschaut hat. Beide, sogar der Kurze, schrien unentwegt "Hijo de Puta" und "Concha de tu madre", als ein peruanischer Spieler verletzt auf dem Rasen lag (ich lasse das an dieser Stelle mal unübersetzt - wen's wirklich interessiert, kriegt's schon irgendwie raus). Ich bin zwar immer noch nicht zum großen Fußballfan geworden (auch wenn sich das Thema hier in Argentinien einfach nicht umgehen lässt...), aber insgesamt war es eine atmosphärisch einmalige Erfahrung!
Am selbsen Wochenende habe ich mit Hannah, einer weiteren Freiwilligen aus BsAs, einen Tagesausflug nach Tigre gemacht. Tigre ist eine wunderschönen Insellandschaft, die sich im Flußdelta des Rio de la Plata, also im Norden von BsAs, befindet. Wir haben eine kleine Bootstour durch's Flußdelta gemacht, die eine oder andere kleine Insel bewandert und einfach die schöne Natur genossen. Man hat sich wirklich gefühlt,als würde man im Dschungel umherwandern...
Schon lustig, dass sich so eine kleine, andere Welt nur eine Stunde Zugfahrt von der Riesenstadt BsAs entfernt befindet. Auf jeden Fall hat uns unser Ausflug dorthin so gut gefallen, dass wir uns mal nach Möglichkeiten zur Übernachtung dort erkundigt haben. Und siehe da: Wenn alles glatt läuft, mieten wir mit ein paar anderen Freunden über Weihnachten ein kleines Häuschen am Fluss und feiern dort gemeinsam Weihnachten unter Palmen.
Es geht weiter, ich hab noch mehr Ausflüge unternommen in letzter Zeit:
Ende Oktober bin ich zusammen mit Mitarbeitern aus meinem Projekt für ein Wochenende nach Villa Gessel gefahren. Der kleine Ort liegt an der Südküste Argentiniens und ist ein beliebtes Urlaubsziel der Einheimischen. Man spricht hier auch von "ciudades fantasmas" - zu dt. Geisterstädten, da diese Kleinstädte am Meer im Winter wie menschenleer erscheinen und im Sommer vor lauter Urlaubern und Touristen geradezu explodieren. Zum Glück zählt der Oktober hier noch zum Frühling, weshalb ich wohl so das Mittelstadium erlebt habe. Jedenfalls fand an dem Wochenende eine von der Universität BsAs ausgerichtete Fortbildung für sämtliche Berufe der sozialen Arbeit, Psychotherapie oder Entwicklungshilfe statt. Auch wenn ich lange nicht alle Vorträge, die an diesem Wochenende gehalten wurden verstanden habe, so hat es doch eine Menge Spaß gemacht. Es gab zwischendurch immer mal wieder kleine Workshops zu Themen wie "Kunst & Musik", "Bodyexpression" oder "mediale Arbeit", die ziemlich lustig waren, sobald man die eigene Hemmschwelle erst einmal überwunden hatte.
Außerdem ist Villa Gessel wirklich ein wunderhübscher kleiner Ort, der sich eben direkt am Meer befindet. Vielleicht ein bisschen mit Eckernförde vergleichbar... Auf jeden Fall hab ich es genossen, mal wieder am Strand zu sein und mit den Füßen im Meer zu stehen, auch wenn es nicht die Ostsee war ;) Ein weiterer "Erfolg" dieses Wochenendes in Gessel war, dass ich meine Mitarbeiter noch mal näher und besser kennengelernt habe. Wir haben zu siebt in dem dortigen Ferienhaus unserer Chefin gewohnt, viel Musik gemacht, geschnackt, getrunken und natürlich Asado gegessen! Dabei wurde ich quasi dazu genötigt, das argentinische Fleisch in den Himmel zu loben (es war aber auch wirklich sehr lecker!), durfte aber dafür im Gegenzug auch noch ein Plädoyer auf das deutsche Bier halten, denn das ist nun wirklich besser als die Plörre, die sie hier verkaufen. Insofern hat sich das Wochenende auf sprachlicher, kultureller und zwischenmenschlicher Ebene voll gelohnt!
Ein absolutes Highlight der letzten Wochen war außerdem das Konzert der TOTEN HOSEN - jaha, richtig gehört. Aus irgendeinem Grund, ich weiß selbst nicht so genau warum, sind die Toten Hosen hier in Argentinien äußerst bekannt und beliebt. Anfang November traten sie daher im Rahmen eines großen, jährlich stattfindenden Musikfestivals auf. Da wir schon seit langem davon wussten, haben wir es tatsächlich hinbekomen, einen Trupp von über 20 Leuten zusammenzutrommeln, mit denen wir dann auf's Festival gegangen sind. Da es leider an dem Tag geregnet hatte, stand das ganze open air Festivalgelände unter Wasser bzw. Matsch (ich hab am nächsten Tag eine Stunde damit verbracht, den Dreck von meinen Turnschuhen zu schrubben). Doch pünktlich zum Auftritt der Hosen hörte es dann auf zu regnen, sodass ohne Probleme gerockt werden konnte. Im Ernst: Es ist der reinste Wahnsinn, wie die Argentinier abgehen können, wenn sie nur jemand ordentlich anheizt, was Campino weiß Gott geschafft hat. Außerdem war es irgendwie lustig, inmitten einer Masse argentinischer Fans zu stehen, die lauthals die deutschen Texte mitgröhlen können, obwohl sie null Ahnung haben, was da eigentlich gesungen wird. Unter folgendem Link findet ihr übrigens einen kurzen 5-min Bericht des ZDFheute-Journals über das Konzert der Toten Hosen in BsAs: http://www.zdf.de/ZDFmediathek/beitrag/video/878050/Die-Toten-Hosen-in-Buenos-Aires-#/beitrag/video/878050/Die-Toten-Hosen-in-Buenos-Aires
Leider war der Tag auf dem Festival nicht nuuur super. Grundsätzlich wird auf Konzerten hier in Argentinien immer sehr viel geklaut, wovon auch unsere Gruppe nicht verschont blieb. Insgesamt wurden uns zwei Digitalkameras, ein Handy und noch diverser Kleinkram geklaut - einfach so aus der Jackentasche raus, ohne dass man was gemerkt hat. Einer Freiwilligen wurde sogar die Handtasche von unten aufgeschlitzt. Ich hatte zum Glück erst gar keine Wertsachen mitgenommen, sonst wären die jetzt bestimmt ebenfalls weg. Tja, dass ist eben auch Argentinien... ordentlich Party machen, aber dabei auch ordentlich abstauben.
Vergangenes Wochenende sind Hannah und ich gemeinsam für ein paar freie Tage nach Paraguay gefahren, wo wir zwei weitere Voluntäre der IERP, Benny und Nina, in ihrem Projekt besucht haben. Dieser Trip bot sich sowieso an, da wir auf Grund unseres abgelaufenen Einreisestempels ein mal das Land verlassen mussten, um unser Touristenvisum, das halt immer nur drei Monate gültig ist, bei der Rückreise zu erneuern.
Am Samstag haben wir Bennys Geburtstag gefeiert und "zufälligerweise" fand gerade an dem Samstag auch noch das große "Chopfest", ein Art Abklatsch vom Oktoberfest im Kleinformat, statt. Es gab Festzelte, Schlagermusik und litterweise labbriges, dafür hochprozentiges Bier. In dieser fröhlichen, ausgelassenen und irgendwie "pseudo-deutschen" Atmosphäre feierten wir dann bis in den Morgen. Insgesamt war der Trip nach Paraguay sehr sehr schön. Es macht immer Spaß, sich mit den anderen Voluntären zu treffen, Erfahrungen auszutauschen und einfach ein bisschen zusammen zu chillen, was wir auch ausgiebigst getan haben. Großteile der Zeit verbrachten wir mit gemeinsamem Kochen, im Pool baden und am Lagerfeuer sitzen.
Allerdings haben wir auch einen kleinen Ausflug zu den Ruinen der Jesuitenreduktion in Paaguay gemacht, die heute angeblich Teil des Weltkulturerbes sind.
Was mir insgesamt am meisten gefallen hat, war, Paraguay als Land kennenzulernen, da es sich wirklich komplett von dem, was ich bisher aus Argentinien gewohnt bin, unterscheidet. Die Natur ist ziemlich beeindruckend, überall gibt es saftgrüne Wiesen und rote Erde. Dennoch kann die Schönheit der Natur nicht über die Armut der Menschen hinwegtäuschen. Als wir eine der insgesamt zwei Straßen (kein Scherz: in ganz Paraguay gibt es nur zwei Rutas, die dafür durch's ganze Land führen) langgefahren sind, sah man eine kleine Farm neben der nächsten - und sonst nichts! Die Menschen leben eben mit ihren großen Familien in viel zu kleinen Häusern. Außerdem fehlt, wie mir schien, jegliche infrastrukturelle Versorgung. Wenn man Glück hat, hat man Zugang zu fließendem Wasser und unzuverlässigem Strom. An Telefon- oder sogar Internetleitungen ist für die meisten Menschen gar nciht erst zu denken. Doch trotzdem machten fast alle Menschen, die ich getroffen habe, einen wahnsinnig liebevollen und offenen Eindruck auf mich. Man lebt zwar spartanisch, aber dafür fröhlich und vor allem spontan!
In Paraguay hab ich außerdem Dinge erlebt, an die in BsAs überhaupt nicht zu denken wären. So sind wir innerhalb der vier Tage, die wir dort waren, insgesamt drei mal getrampt - Daumen raus, Wagen anhalten und zack: schön zu sechst rauf auf die Ladefläche von so nem PickUp! Alles in allem haben wir also ein äußerst tranquiges (ruhiges) und lustiges Wochenende dort in Hohenau verbracht. Dennoch war ich froh, als wir wieder in BsAs angekommen waren. Zivilisation, Infrastruktur und generell eine gewisse, wenn auch langsame Organisation des öffentlichen Lebens haben schon so ihre Vorteile. Ich bin halt doch irgendwie mehr Stadt- als Landkind...
So, noch kurz ein paar Sätze zur...
- Sprache: läuft immer immer besser! Seit drei Wochen habe ich es dann auch endlich mal geschafft, mir Sprachunterricht zu organisieren, um einfach noch ein bisschen mehr Grammatik zu lernen. Aber mitlerweile habe ich das Gefühl, dass mein Spanisch langsam alltagstauglich wird. Ich bleib am Ball...
- Arbeit: nach wie vor super! La Paloma ist echt ein tolles Projekt, in dem ich immer mehr meinen Platz finde. Die Kinder wachsen mir ans Herz, der Draht zu den Mitarbeitern wird stetig enger und so langsam finde ich Wege, sie nicht nur bei der Arbeit zu unterstützen, sondern mich auch selbst ein bisschen mehr einzubringen. Zum Beispiel werde ich für Dezember einen Adventskalender vorbereiten (so etwas kennen die Argentinier nämlich gar nicht!), an dem die Kinder jeden Tag ein Überraschungssäckchen öffnen dürfen, worin sich dann Geschichten, Süßigkeiten oder andere Kleinigkeiten befinden. Aber davon berichte ich dann das nächste Mal.
- WG: ebenfalls nach wie vor gut. Gerade heute abend fiel der Satz "Wir sind die stylischste WG überhaupt!" Grund dafür war ein weiteres Wandgemälde, das Simon gezaubert hat. Das Zimmer der Jungs ziert jetzt eine überdiensional große Silhouette von Marilyn Monroe im Andy Warhol-Look...
Dale, me voy a la cama (Also, ich geh jetzt ins Bett). Fotos und Videos (!) vom Erzählten sind wie immer im neuen Album zu bewundern. Viel Spaß beim angucken!
Buenas Noches und eine schöne vorweihnachtliche Zeit wünscht euch
*merle*
PS: Wer Interesse an meinem ersten Zwischenbericht hat, den ich vor kurzem für meine Entsendeorganisation, das NMZ, geschrieben habe und in dem ich einen Rundumbericht über meine ersten Monate in Argentinien liefere, soll sich einfach bei mir (merlesievers@web.de) oder meinen Eltern melden, dann wird der ganz locker per Mail zugeschickt.
Ich weiß... Asche auf mein Haupt, dass ich nun schon soooo lange nichts mehr geschrieben habe. Tut mir wirklich leid! Aber ich hatte im letzten Monat wirklich viel zu tun, proppevolle Wochenenden, viele viele neue Dinge... Da hatte ich einfach nicht die Zeit zum Schreiben, aber vor allen Dingen fehlte mir die Ruhe dazu, da man ja irgendwie immer erst einmal selber die ganzen Ereignisse duchdenken und sich setzen lassen muss, bevor man sie zu Texten weiterverarbeitet.
So, dafür aber jetzt. Was ist in den letzten Wochen alles passiert?Anfang Oktober war ich, trotz meiner sonstigen Abneigung gegen Fußball, mit vier anderen Voluntären bei dem Länderspiel Argentinien gegen Peru. Dieses Spiel war besonders wichtig, da es für Argentinien um die Qualifikation zur Weltmeisterschaft 2010 ging. Insgesamt war der ganze Tag ein super Erlebnis! Bereits auf dem Weg zum Stadion, auf dem wir uns einfach von den MenschenMASSEN haben mitziehen lassen, herrschte eine Megastimmung. Überall hörte man Sprechchöre und Murgatrommeln, die die Menge anheizten. Der große Wow-Effekt kam dann, als wir das Stadion betraten: Ich habe noch nie so ein riesiges Fußballstadion gesehen (wenn doch, kann es nicht so beeindruckend gewesen sein, da ich mich offensichtlich nicht dran erinnere) ! Während die erste Halbzeit eher langweilig war, gestaltete sich die zweite dafür umso spektakulärer. Erst fiel ein Tor (juchu! große Erleichterung in ganz Argentinien), dann fing es auf einmal an, wie aus Kübeln zu gießen und zu gewittern, worauf weder Fans noch Spieler vorbereitet waren. Als dann auch noch Peru ein Tor schoss, glich die Situation dem Weltuntergang - doch dann, in der vorletzten Minute der Nachspielzeit, kam das erlösende 2:1 für Argentinien! Das Stadion tobte und Diego Maradonna hat vor Freude einen Bauchklatscher auf dem schwimmenden Rasen hingelegt, der am nächsten Tag in sämtlichen Zeitungen Argentiniens auf der Titelseite zu bewundern war. Am beeindruckendsten waren für mich die "Sicherheitsvorkehrungen", die bei solchen Fußballspielen gelten. Schon auf dem Hinweg kamen uns ein riesiger Trupp an Polizisten entgegen, die allesamt mit Schlagstöcken und Schusswaffen bewaffnet waren. Außerdem wird auf Fußballtunieren grundsätzlich kein Bier verkauft, da das Gewaltpotenzial anscheinend auch nüchtern schon hoch genug ist... die Schimpftiraden, mit denen die Argentinier ihre peruanischen Gegner beschimpften, hinterließen auf jeden Fall einen bleibenden Eindruck. Während man auf deutschen Fußballplätzen vielleicht Ausdrücke wie "Schweine" oder "Weichei" hört, legen die Argentinier gleich mit richtig harten Kraftausdrücken los. Hinter mir saß ein kleiner Junge, der mit seinem Vater das Spiel angeschaut hat. Beide, sogar der Kurze, schrien unentwegt "Hijo de Puta" und "Concha de tu madre", als ein peruanischer Spieler verletzt auf dem Rasen lag (ich lasse das an dieser Stelle mal unübersetzt - wen's wirklich interessiert, kriegt's schon irgendwie raus). Ich bin zwar immer noch nicht zum großen Fußballfan geworden (auch wenn sich das Thema hier in Argentinien einfach nicht umgehen lässt...), aber insgesamt war es eine atmosphärisch einmalige Erfahrung!
Am selbsen Wochenende habe ich mit Hannah, einer weiteren Freiwilligen aus BsAs, einen Tagesausflug nach Tigre gemacht. Tigre ist eine wunderschönen Insellandschaft, die sich im Flußdelta des Rio de la Plata, also im Norden von BsAs, befindet. Wir haben eine kleine Bootstour durch's Flußdelta gemacht, die eine oder andere kleine Insel bewandert und einfach die schöne Natur genossen. Man hat sich wirklich gefühlt,als würde man im Dschungel umherwandern...
Schon lustig, dass sich so eine kleine, andere Welt nur eine Stunde Zugfahrt von der Riesenstadt BsAs entfernt befindet. Auf jeden Fall hat uns unser Ausflug dorthin so gut gefallen, dass wir uns mal nach Möglichkeiten zur Übernachtung dort erkundigt haben. Und siehe da: Wenn alles glatt läuft, mieten wir mit ein paar anderen Freunden über Weihnachten ein kleines Häuschen am Fluss und feiern dort gemeinsam Weihnachten unter Palmen. Es geht weiter, ich hab noch mehr Ausflüge unternommen in letzter Zeit:
Ende Oktober bin ich zusammen mit Mitarbeitern aus meinem Projekt für ein Wochenende nach Villa Gessel gefahren. Der kleine Ort liegt an der Südküste Argentiniens und ist ein beliebtes Urlaubsziel der Einheimischen. Man spricht hier auch von "ciudades fantasmas" - zu dt. Geisterstädten, da diese Kleinstädte am Meer im Winter wie menschenleer erscheinen und im Sommer vor lauter Urlaubern und Touristen geradezu explodieren. Zum Glück zählt der Oktober hier noch zum Frühling, weshalb ich wohl so das Mittelstadium erlebt habe. Jedenfalls fand an dem Wochenende eine von der Universität BsAs ausgerichtete Fortbildung für sämtliche Berufe der sozialen Arbeit, Psychotherapie oder Entwicklungshilfe statt. Auch wenn ich lange nicht alle Vorträge, die an diesem Wochenende gehalten wurden verstanden habe, so hat es doch eine Menge Spaß gemacht. Es gab zwischendurch immer mal wieder kleine Workshops zu Themen wie "Kunst & Musik", "Bodyexpression" oder "mediale Arbeit", die ziemlich lustig waren, sobald man die eigene Hemmschwelle erst einmal überwunden hatte.
Außerdem ist Villa Gessel wirklich ein wunderhübscher kleiner Ort, der sich eben direkt am Meer befindet. Vielleicht ein bisschen mit Eckernförde vergleichbar... Auf jeden Fall hab ich es genossen, mal wieder am Strand zu sein und mit den Füßen im Meer zu stehen, auch wenn es nicht die Ostsee war ;) Ein weiterer "Erfolg" dieses Wochenendes in Gessel war, dass ich meine Mitarbeiter noch mal näher und besser kennengelernt habe. Wir haben zu siebt in dem dortigen Ferienhaus unserer Chefin gewohnt, viel Musik gemacht, geschnackt, getrunken und natürlich Asado gegessen! Dabei wurde ich quasi dazu genötigt, das argentinische Fleisch in den Himmel zu loben (es war aber auch wirklich sehr lecker!), durfte aber dafür im Gegenzug auch noch ein Plädoyer auf das deutsche Bier halten, denn das ist nun wirklich besser als die Plörre, die sie hier verkaufen. Insofern hat sich das Wochenende auf sprachlicher, kultureller und zwischenmenschlicher Ebene voll gelohnt!Ein absolutes Highlight der letzten Wochen war außerdem das Konzert der TOTEN HOSEN - jaha, richtig gehört. Aus irgendeinem Grund, ich weiß selbst nicht so genau warum, sind die Toten Hosen hier in Argentinien äußerst bekannt und beliebt. Anfang November traten sie daher im Rahmen eines großen, jährlich stattfindenden Musikfestivals auf. Da wir schon seit langem davon wussten, haben wir es tatsächlich hinbekomen, einen Trupp von über 20 Leuten zusammenzutrommeln, mit denen wir dann auf's Festival gegangen sind. Da es leider an dem Tag geregnet hatte, stand das ganze open air Festivalgelände unter Wasser bzw. Matsch (ich hab am nächsten Tag eine Stunde damit verbracht, den Dreck von meinen Turnschuhen zu schrubben). Doch pünktlich zum Auftritt der Hosen hörte es dann auf zu regnen, sodass ohne Probleme gerockt werden konnte. Im Ernst: Es ist der reinste Wahnsinn, wie die Argentinier abgehen können, wenn sie nur jemand ordentlich anheizt, was Campino weiß Gott geschafft hat. Außerdem war es irgendwie lustig, inmitten einer Masse argentinischer Fans zu stehen, die lauthals die deutschen Texte mitgröhlen können, obwohl sie null Ahnung haben, was da eigentlich gesungen wird. Unter folgendem Link findet ihr übrigens einen kurzen 5-min Bericht des ZDFheute-Journals über das Konzert der Toten Hosen in BsAs: http://www.zdf.de/ZDFmediathek/beitrag/video/878050/Die-Toten-Hosen-in-Buenos-Aires-#/beitrag/video/878050/Die-Toten-Hosen-in-Buenos-Aires
Leider war der Tag auf dem Festival nicht nuuur super. Grundsätzlich wird auf Konzerten hier in Argentinien immer sehr viel geklaut, wovon auch unsere Gruppe nicht verschont blieb. Insgesamt wurden uns zwei Digitalkameras, ein Handy und noch diverser Kleinkram geklaut - einfach so aus der Jackentasche raus, ohne dass man was gemerkt hat. Einer Freiwilligen wurde sogar die Handtasche von unten aufgeschlitzt. Ich hatte zum Glück erst gar keine Wertsachen mitgenommen, sonst wären die jetzt bestimmt ebenfalls weg. Tja, dass ist eben auch Argentinien... ordentlich Party machen, aber dabei auch ordentlich abstauben.
Vergangenes Wochenende sind Hannah und ich gemeinsam für ein paar freie Tage nach Paraguay gefahren, wo wir zwei weitere Voluntäre der IERP, Benny und Nina, in ihrem Projekt besucht haben. Dieser Trip bot sich sowieso an, da wir auf Grund unseres abgelaufenen Einreisestempels ein mal das Land verlassen mussten, um unser Touristenvisum, das halt immer nur drei Monate gültig ist, bei der Rückreise zu erneuern.
Am Samstag haben wir Bennys Geburtstag gefeiert und "zufälligerweise" fand gerade an dem Samstag auch noch das große "Chopfest", ein Art Abklatsch vom Oktoberfest im Kleinformat, statt. Es gab Festzelte, Schlagermusik und litterweise labbriges, dafür hochprozentiges Bier. In dieser fröhlichen, ausgelassenen und irgendwie "pseudo-deutschen" Atmosphäre feierten wir dann bis in den Morgen. Insgesamt war der Trip nach Paraguay sehr sehr schön. Es macht immer Spaß, sich mit den anderen Voluntären zu treffen, Erfahrungen auszutauschen und einfach ein bisschen zusammen zu chillen, was wir auch ausgiebigst getan haben. Großteile der Zeit verbrachten wir mit gemeinsamem Kochen, im Pool baden und am Lagerfeuer sitzen.
Allerdings haben wir auch einen kleinen Ausflug zu den Ruinen der Jesuitenreduktion in Paaguay gemacht, die heute angeblich Teil des Weltkulturerbes sind. Was mir insgesamt am meisten gefallen hat, war, Paraguay als Land kennenzulernen, da es sich wirklich komplett von dem, was ich bisher aus Argentinien gewohnt bin, unterscheidet. Die Natur ist ziemlich beeindruckend, überall gibt es saftgrüne Wiesen und rote Erde. Dennoch kann die Schönheit der Natur nicht über die Armut der Menschen hinwegtäuschen. Als wir eine der insgesamt zwei Straßen (kein Scherz: in ganz Paraguay gibt es nur zwei Rutas, die dafür durch's ganze Land führen) langgefahren sind, sah man eine kleine Farm neben der nächsten - und sonst nichts! Die Menschen leben eben mit ihren großen Familien in viel zu kleinen Häusern. Außerdem fehlt, wie mir schien, jegliche infrastrukturelle Versorgung. Wenn man Glück hat, hat man Zugang zu fließendem Wasser und unzuverlässigem Strom. An Telefon- oder sogar Internetleitungen ist für die meisten Menschen gar nciht erst zu denken. Doch trotzdem machten fast alle Menschen, die ich getroffen habe, einen wahnsinnig liebevollen und offenen Eindruck auf mich. Man lebt zwar spartanisch, aber dafür fröhlich und vor allem spontan!
In Paraguay hab ich außerdem Dinge erlebt, an die in BsAs überhaupt nicht zu denken wären. So sind wir innerhalb der vier Tage, die wir dort waren, insgesamt drei mal getrampt - Daumen raus, Wagen anhalten und zack: schön zu sechst rauf auf die Ladefläche von so nem PickUp! Alles in allem haben wir also ein äußerst tranquiges (ruhiges) und lustiges Wochenende dort in Hohenau verbracht. Dennoch war ich froh, als wir wieder in BsAs angekommen waren. Zivilisation, Infrastruktur und generell eine gewisse, wenn auch langsame Organisation des öffentlichen Lebens haben schon so ihre Vorteile. Ich bin halt doch irgendwie mehr Stadt- als Landkind... So, noch kurz ein paar Sätze zur...
- Sprache: läuft immer immer besser! Seit drei Wochen habe ich es dann auch endlich mal geschafft, mir Sprachunterricht zu organisieren, um einfach noch ein bisschen mehr Grammatik zu lernen. Aber mitlerweile habe ich das Gefühl, dass mein Spanisch langsam alltagstauglich wird. Ich bleib am Ball...
- Arbeit: nach wie vor super! La Paloma ist echt ein tolles Projekt, in dem ich immer mehr meinen Platz finde. Die Kinder wachsen mir ans Herz, der Draht zu den Mitarbeitern wird stetig enger und so langsam finde ich Wege, sie nicht nur bei der Arbeit zu unterstützen, sondern mich auch selbst ein bisschen mehr einzubringen. Zum Beispiel werde ich für Dezember einen Adventskalender vorbereiten (so etwas kennen die Argentinier nämlich gar nicht!), an dem die Kinder jeden Tag ein Überraschungssäckchen öffnen dürfen, worin sich dann Geschichten, Süßigkeiten oder andere Kleinigkeiten befinden. Aber davon berichte ich dann das nächste Mal.

- WG: ebenfalls nach wie vor gut. Gerade heute abend fiel der Satz "Wir sind die stylischste WG überhaupt!" Grund dafür war ein weiteres Wandgemälde, das Simon gezaubert hat. Das Zimmer der Jungs ziert jetzt eine überdiensional große Silhouette von Marilyn Monroe im Andy Warhol-Look...
Dale, me voy a la cama (Also, ich geh jetzt ins Bett). Fotos und Videos (!) vom Erzählten sind wie immer im neuen Album zu bewundern. Viel Spaß beim angucken!
Buenas Noches und eine schöne vorweihnachtliche Zeit wünscht euch
*merle*
PS: Wer Interesse an meinem ersten Zwischenbericht hat, den ich vor kurzem für meine Entsendeorganisation, das NMZ, geschrieben habe und in dem ich einen Rundumbericht über meine ersten Monate in Argentinien liefere, soll sich einfach bei mir (merlesievers@web.de) oder meinen Eltern melden, dann wird der ganz locker per Mail zugeschickt.
Montag, 2. November 2009
pronto, pronto...
Bald schreib ich wieder n Blog... Es gibt auch wieder wahnsinnig viel zu erzählen, aber im Moment hab ich einfach nicht die Zeit und auch nicht die Ruhe dazu, zu schreiben. Am Donnerstag geht's für ein langes Wochenende nach Paraguay, wo ich zwei andere Voluntäre in ihrem Projekt besuche. Danach werde ich mir die Zeit nehmen, meine Erlebnisse endlich mal wieder schriftlich festzuhalten, versprochen! Sonst platzt mein Kopf auch bald...
Also, mir gehts prächtig, ich hoffe euch auch!
Beso
Also, mir gehts prächtig, ich hoffe euch auch!
Beso
Dienstag, 6. Oktober 2009
Freizeit, Wochenenden, Eigenarten und Aktionen
Hallo ihr Lieben,
jetzt gerade ist es bei mir 23 Uhr und ich liege faul in Joggingklamotten auf unserem durchgelegenen WG-Sofa. Aber immerhin finde ich mal wieder Zeit ein bisschen was von Argentinien zu erzählen.
Gerade in den letzten Wochen sind mir immer mehr Eigenarten der Landesbevölkerung aufgefallen. Wenn man beispielsweise durch die Straßen fährt, entdeckt man, besonders in den Barrios weiter außerhalb, des Öfteren irgendwelche Autos, die am Straßenrand parken und auf deren Dach eine leere Plastikflasche steht. Die Flasche demonstriert den Leuten, dass das jeweilige Auto zu verkaufen ist. Oft klebt dann irgendwo im Fenster ein Zettel mit einer Telefonnummer, die man bei Interesse anrufen kann. Naja, aus dieser "Sitte" haben wir uns neulich einen kleinen Spaß gemacht und mal eben ne leere Wasserflasche auf so n schicken Ford-Schlitten gestellt ;)
Des Weiteren ist die große Mehrheit der Argentinier streng gläubig. Auf meinem Weg zur Arbeit fährt der Bus immer an einer Kirche vorbei und jedes, wirklich jedes Mal zähle ich mindestens 4-5 Leute im Bus, die sich in dem Moment bekreuzigen oder ein kurzes Gebet murmeln. Außerdem befindet sich unsere Wohnung neben einer Kirche, was heißt, dass so gut wie immer Leute bei uns in der Straße stehen und durch so einen kleinen Sehspalt einen Altar der Seitenkapelle anbeten.
Auf mich wirkt diese strenge Pflege des Glaubens irgendwie ein bisschen befremdlich und übertrieben. Aber wahrscheinlich darf ich meine Maßstäbe der deustchen, evangelischen Kirche nicht an den lateinamerikansichen, überwiegend katholischen Glauben ansetzen... Mal gucken, wie ich in ein paar Monaten zu dem Thema stehe.
Jetzt etwas weniger vom gesellschaftlichen Leben der Argentinier und dafür mehr vom gesellschaftlichen Leben der Merle:
Ich hab mir in der letzten Zeit einige Aktivitäten neben der Arbeit gesucht, sodass ich mittlerweile schon fast wieder den üblichen "Freizeitstress" erreicht habe, den ich auch zu Hause schon immer hatte. Ich gehe zum Beispiel 2x die Woche in ein Gymnasio
(spanischer und schönerer Ausdruck für "Fitnessstudio"), welches sich bei uns um die Ecke befindet, um dort einigermaßen regelmäßig ein bisschen Sport zu machen. So ganz ohne Bewegung lässt sich's hier bei den ganzen Alfajores und Facturas (süße, klebrige Leckerein, die einen an jeder Straßenecke verfolgen) nämlich nicht leben, vorausgesetzt man will nicht so fett wie ein argentinisches Mastrind werden. Außerdem werden in dem Gymnasio solche lustigen Fitnesskurse für Frauen angeboten, sodass dort täglich mehrere Damen zwischen 20 und 60 versuchen, ihre kleinen oder größeren Bäuchlein wegzutrainieren. Zwar kostet es mich jedes Mal viel Selbstüberwindung, mich aufzuraffen und dorthin zu gehen, aber wenn ich dann erst mal da bin, kommt man schnell mit den anderen Mädels in Gespräch, sodass man gemeinsam ein bisschen über die Anstrengung stöhnt und die Stunde dann doch relativ schnell vergeht.
Des Weiteren habe ich von einer meiner Vorgängerinnen, die neulich zu Besuch im Projekt war den Tipp für eine Tanzschule in BsAs bekommen, sodass ich inzwischen schon 3x Tango tanzen war !! (an dieser Stelle: Danke Anna !) In dieser wirklich hübschen Tanzschule, die sich in einem alten Stadthaus in dem Schickeria-Viertel Palermo befindet, unterrichten überwiegend junge Lehrer, was dazu führt, dass auch das Publikum relativ jung ist. Da ich ja nie zu den großen Tänzerinnen gehört habe, bin ich schon mit einem etwas mulmigen Gefühl in die erste Stunde gegangen. Zwar hab ich mit 14 irgendwann mal die Standardtanzkurse absolviert, aber so richtig erinnern konnte ich mich an den Tango nicht mehr. Das war allerdings auch gar nicht nötig, da die Argentinier den Tango sowieso ganz anders tanzen und auch ganz anders unterrichten, als ich es noch aus Gemindzeiten kannte. Wir fingen mit Atemübungen an, dann folgten Übungen zur Gangart, sodass man ein Gefühl für die Tangomusik bekam und anschließend wurde die Haltung (sowieso das A und O beim Tango!) trainiert. Die Schritte kamen dann irgendwann von ganz alleine... Schon lustig, wie man auf einmal ganz schnell die Scheu vor dem Gegenüber verlieren kann. Auf jeden Fall hat mir das Tanzen bis jetzt viel Spaß gemacht, sodass ich in nächster Zeit bestimmt noch öfter hingehen werde. Vielleicht traue ich mich dann ja sogar bald mal auf einen dieser öffentlichen Tanzabende, hier "Milongas" genannt.
Gestern war ich außerdem das erste mal bei einer Chorprobe eines Chores, von dem ich über mehrere Ecken mal ganz entfernt etwas gehört hatte. Irgendwie hab ich mir dann die Nummer von dem Chorleiter besorgt und den mal angerufen. Leider hat der Gute am Telefon so undeutlich gesprochen, dass ich nur Ort und Zeit der nächsten Probe verstanden habe. So hab ich dann erst vor Ort erfahren, dass es sich bei dem Chor um den Unichor der hiesigen ökonomischen Fakultät handelte. Wie auch immer, jedenfalls haben mir die Probe, der Chor und die Stücke sehr gut gefallen und ich hab gemerkt, dass mir das regelmäßige Singen in den letzten Monaten schon irgendwie gefehlt hat. Mir wurde auch gleich die Mitgliedsliste in die Hand gedrückt, auf die ich mich eintragen sollte, sodass ich von nun an wohl jeden Montagabend zur Chorprobe gehen werde.
Nebenbei war es wieder ein großes Abendteuer, das erste Mal den Weg sowohl zur Tanzschule als auch zur Uni zu finden. Da läuft man wirklich alleine, nur mit dem Stadtplan "GuiaT" bewaffnet, durch die unbekannten Straßen, zählt die Quadras, sucht die Subtestationen, verfolgt die Buslinien und freut sich jedes mal, wenn man am gewünschten Ziel ankommt, ohne sich zu verlaufen... Abenteuer Großstadt!
Nun ein kurzer Wochenendereport: Vorletztes Wochenende waren wir Samstagabend mit mehreren Leuten auf einem Reggaekonzert, wo die Band eines Freundes, von Freunden, von Freunden... auftreten sollte. Da es um 22 Uhr losgehen sollte, kamen Laura und ich, die wir zu spät waren, schon relativ abgehetzt um halb 11 dort an. Zu der Zeit saß der Sänger der Band selbst noch vor der Tür und hat ganz gechillt sein Bierchen getrunken. Angefangen zu spielen haben sie dann erst um Mitternacht... aber so was ist im Rahmen der argentinischen Zeitwahrnehmung durchaus normal, ja sogar fast pünktlich. Auf jeden Fall war das wieder eine sehr typische Situation: Die doofen Deutschen stressen sich ab, weil sie ne halbe Stunde zu spät sind und die Argentinier chillen erst mal gemütlich ne Runde, trinken Mate und lassen die Zeit verstreichen. Das Konzert entpuppte sich jedenfalls als wirklich cooles, kleines Clubkonzert mit guter Musik und guten Bierpreisen. Ein Liter Bier für 10 Peso, also ca. 1,80€. Da können die diesjährigen Oktoberfestpreise nicht mithalten, oder? Allerdings waren nicht nur die Bierpreise, sondern auch die Stimmung wirklich gut. Der Raum (etwa vergleichbar mit der Kieler Schaubude) war zwar mega überfüllt, aber irgendwie hat trotzdem jeder Platz zum Tanzen gefunden.
Das vergangene Wochenende habe ich dann, wie bereits angekündigt, in Baradero verbracht. Dort hat das Projekt von zwei anderen Freiwilligen hundertjähriges Jubiläum gefeiert. Für das Festwochenende wurden im Voraus an die 500 Gäste erwartet, schlussendlich waren wohl an die 900 da. Das Fest ähnelte insgesamt einem deutschen Gemeindefest - Gottesdienst, Kinderspiele, Tombula, Verkaufsstände und viel Essen.
Das Projekt hatte für das Essen übrigens extra eine professionelle Firma engagiert, die dann für die ganzen Leute Asado und Pollo gegrillt hat (Fleisch und Hühnchen). En serio: Ich habe noch nie solche Berge von Fleisch gesehen !! Wahnsinn !! Das war wirklich beeindruckend zu sehen, mit welcher Rutine und welchem Gechick so ne Hand voll älterer Herren diesen Fleischberg bewältigt und auch tatsächlich sehr lecker zubereitet haben. Wenn die Argentinier eins können, dann viele Leute gleichzeitig mit Fleisch versorgen ;) Das Projekt in Baradero, dessen Gelände wirklich schön und riesig groß ist, liegt mitten im Grünen. Überall wachsen irgendwelche Dinge, die man Essen kann: Zitronen, Nüsse, Pomelos, Kartoffeln... Außerdem gibt es viel Natur, große Wiesen und einen Pool, der bei dem Bombenwetter, das wir am Wochenende hatten, auch ausgiebig genutzt wurde. Allerdings brachte die von mir ja heiß ersehnte Natur auch die Mücken mit sich, sodass nun meine ganzen Arme und Beine zerstochen sind (insgesamt neun Stiche!). Bis vor einem Jahr war das Projekt in Baradero ein Heim der deutsch-argetninischen Gemeinde für Jungen und Mädchen, sodass viele ehemalige Heimkinder zum Jubiläumsfest angereist waren, mit denen ich mich auch ein paar mal unterhalten habe. Schon irre, so alte Menschen zu sehen (einige waren über 80) die fließend und perfekt Deutsch und Spanisch sprechen können... Auch die einzelnen Lebensgeschichten der Damen und Herren, weshalb und wann sie ins Heim gekommen sind, wie sie teilweise nach dem Krieg von Deutschland nach Argentinien ausgewandert sind usw. waren zwischendurch wirklich interessant... Da habe ich auch wieder mal gemerkt, wie sehr dieses Land von den Einflüssen seiner europäischen Einwanderer geprägt ist.
So, zum Schluss noch ein paar Sätze zu meiner Arbeit:
In den letzten Wochen bin ich immer besser ins Projekt reingekommen, was hauptsächlich meinen Fortschritten in Sachen Sprache zu verdanken ist. Klar, je besser ich Spanisch kann, desto besser kann ich schimpfen, Befehle erteilen oder Diskussionen führen, wer denn jetzt mit Abwaschen dran ist ;) Trotz der Verbesserung, will ich mich diese Woche doch mal auf die Suche nach einer Sprachschule o.ä. begeben, um die Grammatik noch ein bisschen besser zu lernen.
Mittlerweile habe ich die Kinder immer besser kennengelernt, sodass sie mir schon richtig ans Herz gewachsen sind. Da ich mich inzwischen auch viel besser und mehr mit ihnen unterhalten kann, akzeptieren sie mich langsam und finden Vertrauen zu mir, was ein sehr schönes Gefühl ist.

Vorletzte Woche haben wir mit unseren "Kleinen" (den 4 bis 8-jährigen) einen Ausflug in den Zoo von Palermo gemacht, da sie in den vergangenen Wochen inhaltlich zum Thema "Animales- also Tiere" gearbeitet haben. Für viele Kinder war es as erste Mal, dass sie aus ihrem Barrio raus und in die Großstadt nach Capital gefahren sind. Der Tag war insgesamt wirklich schön - Wetter war super, Kinder gut drauf und der Zoo war auch wirklich schön, wenn auch die Tierhaltung, meiner Meinung nach, teilweise nicht ganz artgerecht war. Aber da gelten hier wohl ebenfalls andere Richtlinien als in Deutschland.
Vergangenen Freitag haben wir in La Paloma den "Marathon de Lectura" gefeiert, eine Art Projekttag zum Thema "Bücher/Geschichten/Lesen", der von den Mitarbeitern lange im Voraus geplant und organisiert wurde. Wir haben die Kinder in drei Gruppen eingeteilt und dann in entsprechend dekorierten Salons Geschichten zu den Themen "Sagen&Legenden", "Grusel- und Geistergeschichten" und "Kindergeschichten" vorgelesen. Außerdem haben sich alle Maestros verkleidet, sodass ganz La Paloma an dem Tag wie verwandelt wirkte. Auf jeden Fall war der "Marathon de Lectura" ein voller Erfolg, die Kinder fanden's super!
In dem neuen Fotoalbum hab ich auch endlich mal Fotos von La Paloma und unseren Aktionen online gestellt. Ich dachte mir, ich schreibe mal die Namen bzw. Spitznamen der Kinder und Betreuer dazu, damit ihr mal hört, wie die Leute hier so heißen ;) Lenas und Lisas gibt's hier nämlich nicht so viele...
So, eigentlich wollte ich noch von dem Renovierungswahn meiner Mitbewohner (die beiden, bzw. eher Simon, haben nämlich über's Wochenende ihren monströsen Schrank zerkloppt und nun ihr Zimmer neu eingerichtet) und dem Tohuwabohu der argentinischen Behörden bzgl. unseres Visums erzählen, aber dazu habe ich jetzt keine Lust und keine Energie mehr ;)Mittlerweile ist es auch schon 1 Uhr und ich schließlich muss ich ja morgen wieder früh *hust* aufstehen und arbeiten.
Abrazos, liebste Grüße
eure Merle
PS: Ach ja, eins noch, wem Schwarz-Gelb auch nicht gefällt: Wandert doch einfach aus, kommt zu mir nach Argentinien =)
jetzt gerade ist es bei mir 23 Uhr und ich liege faul in Joggingklamotten auf unserem durchgelegenen WG-Sofa. Aber immerhin finde ich mal wieder Zeit ein bisschen was von Argentinien zu erzählen.
Gerade in den letzten Wochen sind mir immer mehr Eigenarten der Landesbevölkerung aufgefallen. Wenn man beispielsweise durch die Straßen fährt, entdeckt man, besonders in den Barrios weiter außerhalb, des Öfteren irgendwelche Autos, die am Straßenrand parken und auf deren Dach eine leere Plastikflasche steht. Die Flasche demonstriert den Leuten, dass das jeweilige Auto zu verkaufen ist. Oft klebt dann irgendwo im Fenster ein Zettel mit einer Telefonnummer, die man bei Interesse anrufen kann. Naja, aus dieser "Sitte" haben wir uns neulich einen kleinen Spaß gemacht und mal eben ne leere Wasserflasche auf so n schicken Ford-Schlitten gestellt ;)
Des Weiteren ist die große Mehrheit der Argentinier streng gläubig. Auf meinem Weg zur Arbeit fährt der Bus immer an einer Kirche vorbei und jedes, wirklich jedes Mal zähle ich mindestens 4-5 Leute im Bus, die sich in dem Moment bekreuzigen oder ein kurzes Gebet murmeln. Außerdem befindet sich unsere Wohnung neben einer Kirche, was heißt, dass so gut wie immer Leute bei uns in der Straße stehen und durch so einen kleinen Sehspalt einen Altar der Seitenkapelle anbeten.
Auf mich wirkt diese strenge Pflege des Glaubens irgendwie ein bisschen befremdlich und übertrieben. Aber wahrscheinlich darf ich meine Maßstäbe der deustchen, evangelischen Kirche nicht an den lateinamerikansichen, überwiegend katholischen Glauben ansetzen... Mal gucken, wie ich in ein paar Monaten zu dem Thema stehe.
Jetzt etwas weniger vom gesellschaftlichen Leben der Argentinier und dafür mehr vom gesellschaftlichen Leben der Merle:
Ich hab mir in der letzten Zeit einige Aktivitäten neben der Arbeit gesucht, sodass ich mittlerweile schon fast wieder den üblichen "Freizeitstress" erreicht habe, den ich auch zu Hause schon immer hatte. Ich gehe zum Beispiel 2x die Woche in ein Gymnasio
(spanischer und schönerer Ausdruck für "Fitnessstudio"), welches sich bei uns um die Ecke befindet, um dort einigermaßen regelmäßig ein bisschen Sport zu machen. So ganz ohne Bewegung lässt sich's hier bei den ganzen Alfajores und Facturas (süße, klebrige Leckerein, die einen an jeder Straßenecke verfolgen) nämlich nicht leben, vorausgesetzt man will nicht so fett wie ein argentinisches Mastrind werden. Außerdem werden in dem Gymnasio solche lustigen Fitnesskurse für Frauen angeboten, sodass dort täglich mehrere Damen zwischen 20 und 60 versuchen, ihre kleinen oder größeren Bäuchlein wegzutrainieren. Zwar kostet es mich jedes Mal viel Selbstüberwindung, mich aufzuraffen und dorthin zu gehen, aber wenn ich dann erst mal da bin, kommt man schnell mit den anderen Mädels in Gespräch, sodass man gemeinsam ein bisschen über die Anstrengung stöhnt und die Stunde dann doch relativ schnell vergeht. Des Weiteren habe ich von einer meiner Vorgängerinnen, die neulich zu Besuch im Projekt war den Tipp für eine Tanzschule in BsAs bekommen, sodass ich inzwischen schon 3x Tango tanzen war !! (an dieser Stelle: Danke Anna !) In dieser wirklich hübschen Tanzschule, die sich in einem alten Stadthaus in dem Schickeria-Viertel Palermo befindet, unterrichten überwiegend junge Lehrer, was dazu führt, dass auch das Publikum relativ jung ist. Da ich ja nie zu den großen Tänzerinnen gehört habe, bin ich schon mit einem etwas mulmigen Gefühl in die erste Stunde gegangen. Zwar hab ich mit 14 irgendwann mal die Standardtanzkurse absolviert, aber so richtig erinnern konnte ich mich an den Tango nicht mehr. Das war allerdings auch gar nicht nötig, da die Argentinier den Tango sowieso ganz anders tanzen und auch ganz anders unterrichten, als ich es noch aus Gemindzeiten kannte. Wir fingen mit Atemübungen an, dann folgten Übungen zur Gangart, sodass man ein Gefühl für die Tangomusik bekam und anschließend wurde die Haltung (sowieso das A und O beim Tango!) trainiert. Die Schritte kamen dann irgendwann von ganz alleine... Schon lustig, wie man auf einmal ganz schnell die Scheu vor dem Gegenüber verlieren kann. Auf jeden Fall hat mir das Tanzen bis jetzt viel Spaß gemacht, sodass ich in nächster Zeit bestimmt noch öfter hingehen werde. Vielleicht traue ich mich dann ja sogar bald mal auf einen dieser öffentlichen Tanzabende, hier "Milongas" genannt.
Gestern war ich außerdem das erste mal bei einer Chorprobe eines Chores, von dem ich über mehrere Ecken mal ganz entfernt etwas gehört hatte. Irgendwie hab ich mir dann die Nummer von dem Chorleiter besorgt und den mal angerufen. Leider hat der Gute am Telefon so undeutlich gesprochen, dass ich nur Ort und Zeit der nächsten Probe verstanden habe. So hab ich dann erst vor Ort erfahren, dass es sich bei dem Chor um den Unichor der hiesigen ökonomischen Fakultät handelte. Wie auch immer, jedenfalls haben mir die Probe, der Chor und die Stücke sehr gut gefallen und ich hab gemerkt, dass mir das regelmäßige Singen in den letzten Monaten schon irgendwie gefehlt hat. Mir wurde auch gleich die Mitgliedsliste in die Hand gedrückt, auf die ich mich eintragen sollte, sodass ich von nun an wohl jeden Montagabend zur Chorprobe gehen werde.
Nebenbei war es wieder ein großes Abendteuer, das erste Mal den Weg sowohl zur Tanzschule als auch zur Uni zu finden. Da läuft man wirklich alleine, nur mit dem Stadtplan "GuiaT" bewaffnet, durch die unbekannten Straßen, zählt die Quadras, sucht die Subtestationen, verfolgt die Buslinien und freut sich jedes mal, wenn man am gewünschten Ziel ankommt, ohne sich zu verlaufen... Abenteuer Großstadt!
Nun ein kurzer Wochenendereport: Vorletztes Wochenende waren wir Samstagabend mit mehreren Leuten auf einem Reggaekonzert, wo die Band eines Freundes, von Freunden, von Freunden... auftreten sollte. Da es um 22 Uhr losgehen sollte, kamen Laura und ich, die wir zu spät waren, schon relativ abgehetzt um halb 11 dort an. Zu der Zeit saß der Sänger der Band selbst noch vor der Tür und hat ganz gechillt sein Bierchen getrunken. Angefangen zu spielen haben sie dann erst um Mitternacht... aber so was ist im Rahmen der argentinischen Zeitwahrnehmung durchaus normal, ja sogar fast pünktlich. Auf jeden Fall war das wieder eine sehr typische Situation: Die doofen Deutschen stressen sich ab, weil sie ne halbe Stunde zu spät sind und die Argentinier chillen erst mal gemütlich ne Runde, trinken Mate und lassen die Zeit verstreichen. Das Konzert entpuppte sich jedenfalls als wirklich cooles, kleines Clubkonzert mit guter Musik und guten Bierpreisen. Ein Liter Bier für 10 Peso, also ca. 1,80€. Da können die diesjährigen Oktoberfestpreise nicht mithalten, oder? Allerdings waren nicht nur die Bierpreise, sondern auch die Stimmung wirklich gut. Der Raum (etwa vergleichbar mit der Kieler Schaubude) war zwar mega überfüllt, aber irgendwie hat trotzdem jeder Platz zum Tanzen gefunden. Das vergangene Wochenende habe ich dann, wie bereits angekündigt, in Baradero verbracht. Dort hat das Projekt von zwei anderen Freiwilligen hundertjähriges Jubiläum gefeiert. Für das Festwochenende wurden im Voraus an die 500 Gäste erwartet, schlussendlich waren wohl an die 900 da. Das Fest ähnelte insgesamt einem deutschen Gemeindefest - Gottesdienst, Kinderspiele, Tombula, Verkaufsstände und viel Essen.
Das Projekt hatte für das Essen übrigens extra eine professionelle Firma engagiert, die dann für die ganzen Leute Asado und Pollo gegrillt hat (Fleisch und Hühnchen). En serio: Ich habe noch nie solche Berge von Fleisch gesehen !! Wahnsinn !! Das war wirklich beeindruckend zu sehen, mit welcher Rutine und welchem Gechick so ne Hand voll älterer Herren diesen Fleischberg bewältigt und auch tatsächlich sehr lecker zubereitet haben. Wenn die Argentinier eins können, dann viele Leute gleichzeitig mit Fleisch versorgen ;) Das Projekt in Baradero, dessen Gelände wirklich schön und riesig groß ist, liegt mitten im Grünen. Überall wachsen irgendwelche Dinge, die man Essen kann: Zitronen, Nüsse, Pomelos, Kartoffeln... Außerdem gibt es viel Natur, große Wiesen und einen Pool, der bei dem Bombenwetter, das wir am Wochenende hatten, auch ausgiebig genutzt wurde. Allerdings brachte die von mir ja heiß ersehnte Natur auch die Mücken mit sich, sodass nun meine ganzen Arme und Beine zerstochen sind (insgesamt neun Stiche!). Bis vor einem Jahr war das Projekt in Baradero ein Heim der deutsch-argetninischen Gemeinde für Jungen und Mädchen, sodass viele ehemalige Heimkinder zum Jubiläumsfest angereist waren, mit denen ich mich auch ein paar mal unterhalten habe. Schon irre, so alte Menschen zu sehen (einige waren über 80) die fließend und perfekt Deutsch und Spanisch sprechen können... Auch die einzelnen Lebensgeschichten der Damen und Herren, weshalb und wann sie ins Heim gekommen sind, wie sie teilweise nach dem Krieg von Deutschland nach Argentinien ausgewandert sind usw. waren zwischendurch wirklich interessant... Da habe ich auch wieder mal gemerkt, wie sehr dieses Land von den Einflüssen seiner europäischen Einwanderer geprägt ist. So, zum Schluss noch ein paar Sätze zu meiner Arbeit:
In den letzten Wochen bin ich immer besser ins Projekt reingekommen, was hauptsächlich meinen Fortschritten in Sachen Sprache zu verdanken ist. Klar, je besser ich Spanisch kann, desto besser kann ich schimpfen, Befehle erteilen oder Diskussionen führen, wer denn jetzt mit Abwaschen dran ist ;) Trotz der Verbesserung, will ich mich diese Woche doch mal auf die Suche nach einer Sprachschule o.ä. begeben, um die Grammatik noch ein bisschen besser zu lernen.
Mittlerweile habe ich die Kinder immer besser kennengelernt, sodass sie mir schon richtig ans Herz gewachsen sind. Da ich mich inzwischen auch viel besser und mehr mit ihnen unterhalten kann, akzeptieren sie mich langsam und finden Vertrauen zu mir, was ein sehr schönes Gefühl ist.
Vorletzte Woche haben wir mit unseren "Kleinen" (den 4 bis 8-jährigen) einen Ausflug in den Zoo von Palermo gemacht, da sie in den vergangenen Wochen inhaltlich zum Thema "Animales- also Tiere" gearbeitet haben. Für viele Kinder war es as erste Mal, dass sie aus ihrem Barrio raus und in die Großstadt nach Capital gefahren sind. Der Tag war insgesamt wirklich schön - Wetter war super, Kinder gut drauf und der Zoo war auch wirklich schön, wenn auch die Tierhaltung, meiner Meinung nach, teilweise nicht ganz artgerecht war. Aber da gelten hier wohl ebenfalls andere Richtlinien als in Deutschland.
Vergangenen Freitag haben wir in La Paloma den "Marathon de Lectura" gefeiert, eine Art Projekttag zum Thema "Bücher/Geschichten/Lesen", der von den Mitarbeitern lange im Voraus geplant und organisiert wurde. Wir haben die Kinder in drei Gruppen eingeteilt und dann in entsprechend dekorierten Salons Geschichten zu den Themen "Sagen&Legenden", "Grusel- und Geistergeschichten" und "Kindergeschichten" vorgelesen. Außerdem haben sich alle Maestros verkleidet, sodass ganz La Paloma an dem Tag wie verwandelt wirkte. Auf jeden Fall war der "Marathon de Lectura" ein voller Erfolg, die Kinder fanden's super! In dem neuen Fotoalbum hab ich auch endlich mal Fotos von La Paloma und unseren Aktionen online gestellt. Ich dachte mir, ich schreibe mal die Namen bzw. Spitznamen der Kinder und Betreuer dazu, damit ihr mal hört, wie die Leute hier so heißen ;) Lenas und Lisas gibt's hier nämlich nicht so viele...
So, eigentlich wollte ich noch von dem Renovierungswahn meiner Mitbewohner (die beiden, bzw. eher Simon, haben nämlich über's Wochenende ihren monströsen Schrank zerkloppt und nun ihr Zimmer neu eingerichtet) und dem Tohuwabohu der argentinischen Behörden bzgl. unseres Visums erzählen, aber dazu habe ich jetzt keine Lust und keine Energie mehr ;)Mittlerweile ist es auch schon 1 Uhr und ich schließlich muss ich ja morgen wieder früh *hust* aufstehen und arbeiten.
Abrazos, liebste Grüße
eure Merle
PS: Ach ja, eins noch, wem Schwarz-Gelb auch nicht gefällt: Wandert doch einfach aus, kommt zu mir nach Argentinien =)
Donnerstag, 1. Oktober 2009
... und raus !
Wollte nur kurz erzählen, dass ich über's Wochenende dem Großstadtjungel entfliehe und nach Baradero, einem Ort im Großraum BsAs fahre. Dort feiert ein anderes Projekt der IERP 100-jähriges Jubiläum, wozu alle Voluntäre eingeladen worden sind. Natürlich find ich's auch interessant, andere Projekte kennenzulernen, aber vor allem freue ich mich darauf, mal aus der Megacity (die ich eigentlich total toll finde!) rauszukommen und vielleicht mal wieder grüne Bäume und vor allen Dingen HORIZONT zu sehen... Das fehlt mir schon ein bisschen. Da bin ich halt doch irgendwie ein Kind der Ostsee. Wenn ich wieder da bin, berichte ich dann von den letzten Wochen.
Bueno, hasta luego Chicos!
Bueno, hasta luego Chicos!
Sonntag, 20. September 2009
Hasta la victoria siempre !
(~Bis zum ewigen Sieg !)
Hola Queridos y Queridas =)
Dieser Blog trägt die Parole des wohl allseits bekannten Geruillakämpfers und Revolutionär Ernesto "Che" Guevara als Titel. Anlass dafür gibt ein Kunstwerk, welches mein Mitbewohner letzte Woche erschaffen hat. Mein lieber Mitbewohner Jonas kam nämlich auf die glorreiche Idee, unseren Patio (Innenhof), den wir ja vorrangig zum chillen, Bierchen trinken, nett beieinander sitzen, in der Hängematte gammeln nutzen, mit dem Antlitz des berühmten Che zu verschönern. Man muss dazu wissen, dass "Che" hier eine Art lockerer Ausdruck unter Freunden ist ("Alter", "mein Lieber", "Kumpel") und somit von jedermann mehrmals täglich genutzt wird. Gesagt, getan: Jonas schnappte sich Pinsel und Farbe und begann mit einer Engelsgeduld sein Werk. Freihand und nur vom Cumputer abgemalt! Et voilà: Es ist ihm gelungen! Es sieht wirklich cool aus, uns gefällt's! Mal gucken, ob wir im Laufe unseres Jahres die anderen Wände des Patios auch noch verschönern...
Soweiso zum Thema Wohnung und Leben allgemein: Insgesamt gefällt mir das WG-Leben ziemlich gut. Ich weiß nicht, ob ich einfach nur sau Glück mit meinen beiden Mitbewohnern gehabt habe oder ob es in allen WGs so schön friedlich zugeht wie bei uns. Auf jeden Fall kommen wir drei bis jetzt wirklich gut miteinander aus, oft wird abends gemeinsam gegessen oder n Film geguckt. Außerdem ist es auch ganz schön, dass, wenn man von der Arbeit nach Hause kommt, jemand da ist, mit dem man in der Küche mal fix ne Runde schnacken und erzählen kann, was am Tag so passiert ist. Ich bin wirklich froh drüber, dass ich nciht alleine wohne, sondern die Jungs hier habe.
Auch unter dem Aspekt betrachtet, dass die beiden sich meistens gemeinsam und voller Zerstörungswut auf die Kakerlaken stürzen, die sich hin und wieder mal in unsere Wohnung schleichen. Da es vergangene Woche wirklich sehr viel geregnet hat und es einfach kalt, nass und ungemütlich war, haben sich mehr Kakaerlaken als sonst zu uns ins Warme geflüchtet. Naja, leider fanden dann hier alle den Tod, indem sie von Simon und Jonas ausgeräuchert wurden. That's life!
Ein weitaus dramatischeres Ereignis musste mein Mitbewohner diese Woche erleben. Jonas arbeitet zusammen mit Hannah, einer anderen Voluntärin, in der Casa San Pablo, einem Sozialprojekt in San Miguel, welches sich vor allen Dingen um die Familien und Menschen im Barrio kümmert. Also befindet sich das Projekt der beiden auch in einer relativ armen und trostlosen Gegend. Nun sind die beiden am vergangenen Mittwoch auf dem Weg von der Bushaltestelle zur Casa San Pablo überfallen worden. Zwei junge Männer kamen den beiden entgegen, bedrohten sie und entrissen ihnen Rucksack und Handtasche, wobei Hannah sogar zu Boden geschleudert wurde. Jonas hatte zum Glück all seine Wertsachen in der Hosentasche, Hannah wurde dadurch jetzt eben Handy und Geld geklaut. Der Schock saß uns allen, aber natürlich vor allen Dingen den beiden, den ganzen Tag lang noch in den Gleidern, auch wenn Jonas später am Abend schon wieder scherzhaft das Fazit ziehen konnte: "Immerhin sind wir die ersten Voluntäre, die dieses Jahr überfallen worden sind."
Trotzdem haben wir alle noch relativ viel über die Sache gesprochen und nachgedacht. Der Überfall hat uns halt wirklich gezeigt, wie gefährlich diese Barrios sein können, gerade wenn man als vermeintlich reicher Europäer alleine unterwegs ist. Auf der anderen Seite fällt es einem immer schwerer wütend oder sauer auf diese Menschen zu sein, die eben andere Leute überfallen oder beklauen. Je mehr man die Menschen und ihre Lebensumstände hier kennenlernt, umso mehr bekommt man mit, in welcher Armut sie teilweise leben. Gerade die Leute aus dem Barrio leben oft am Rande der Existenz... und so klischeehaft es auch klingen mag: Die Armut treibt die Menschen zu kriminellen Dingen wie Überfällen und Diebstahl - weil sie es einfach nötig haben. Traurig, aber wahr.
Insofern hat die Erfahrung, die Jonas und Hannah diese Woche mit dem Überfall gemacht haben, allseits irgendwie komische, zwiespältige Gefühle ausgelöst...
Seit fünf Wochen lebe ich nun "allein" bzw. selbstständig und kann mit ein bisschen Stolz sagen, dass ich mittlerweile einen mehr oder weniger geregelten Alltag erlangt habe, was wirklich schön ist. Es tut gut, ein bisschen Struktur im Tag zu haben, zu wissen was kommt und trotzdem einigermaßen spontan seine Woche planen zu können.
Ich fühle mich immer mehr zu Hause, auch wenn ich letzte Woche das erste Mal Heimweh hatte, was vor allen Dingen mit dem schlechten Wetter und meinen Kopfschmerzen zusammenhing. Jedoch habe ich die ultimative Lösung gegen Heimweh entdeckt: Einfach die gute, alte Hausmannskost aus Mamas Küche nachkochen! So hab ich letzte Woche schön ne Runde Blumenkohl mit weißer Soße und Frikadellen gekocht. Es ist mir sogar einigermaßen gelungen. Jedenfalls waren meine Mitbewohner schwer begeistert und der eigentliche Vegetarier Jonas hat sogar drei Frikadellen gegessen. Welch ein Kompliment ;)
Des Weiteren kann ich berichten, dass ich mich immer mehr an meine Wirkung als große, blonde Deutsche gewöhnt habe. Mittlerweile stört mich das ständige hinterher pfeifen, hupen und angeguckt werden gar nicht mehr sooo sehr. Klar, ist es immer noch nervig und auch irgendwie eklig, wenn so n alter, schleimiger Kerl dir im Vorbeigehen so was wie "süße Schnecke" zuraunt, aber im Großen und Ganzen habe ich diese Eigenart der argentinischen Männer akzeptiert und finde sogar fast, dass es das tägliche Geschehen auf den Straßen irgendwie lebendiger macht.
Ach ja, es gibt noch eine weitere Veränderung: Ich hab mich piercen lassen! Huiiiii... das klingt dramatischer als es ist. Ich habe mir lediglich ein zweites Ohrloch stechen lassen. Ich hab da schon öfter mal drüber nachgedacht und irgendwie fand ich, dass jetzt der richtige Zeitpunkt dafür ist. Es tat zwar ganz schön weh, aber mittlerweile ist es gut verheilt und ich kann schon problemlos dran rumspielen. Allderdings hab ich von zu Hause schon n bisschen Gegenwind bekommen, weil ich es erst erzählt habe, als es quasi schon zu spät war. Aber das ist ja schließlich auch ein Vorteil eines Auslandsjahres - ich bin groß und ganz alleine, ohne meine lieben Eltern hier, sodass ich leider nicht alles mit ihnen absprechen kann ;) Naja, mir gefällt's auf jeden Fall, ich find's cool! Aber keine Angst: Das war mein erster und letzter Ausflug in ein Piercing- und Tatoostudio. Versprochen!
Aus La Paloma gibt es gar nicht soooo viel Neues zu berichten. Letzten Donnerstag habe ich mich mit ein paar Mädels auf die Verkleidungskiste gestürzt - das war ein Spaß! Auf einmal verwandelten sich sechs kleine Mädchen, die sonst mit eher dreckigen, zerissenen Klamotten rumlaufen in Prinzessinen, mit allem was dazu gehört: Krönchen, quietscherotem Lippenstift und viel zu großen hohen Schuhen.
Morgen feiern wir "La Fiesta de Primavera" (Fest des Frühlingsanfangs) in La Paloma mit vielen Spielchen und anderen Aktionen. Außerdem machen wir diese Woche mit den Kleinen, die schon seit einiger Zeit zum Thema "Tiere" arbeiten, einen Ausflug in den Zoo von Palermo, worauf ich mich schon sehr freue. Für viele der Kinder wird es das erste Mal sein, dass sie nach Capital fahren... aufregend!

Letzten Samstag habe ich zusammen mit einigen anderen Voluntären an einer Stadtführung durch BsAs Capital teilgenommen. Angeboten wurde diese Führung von Herrn Muhlert, einem wirklich äußerst fitten, älteren Herrn, der seit seiner Rente hier in Argentinien lebt und schon seit Jahren mit den Projekten der IERP und den Voluntären arbeitet.
Die Ausflug glich weniger einer klassischen Stadtführung, sondern eher einem entspannten Bummel durch die Innenstadt, gespickt mit einigen Informationen hier und dort. Die schönste Erkenntnis war für mich, dass nciht ALLES riiiiiiiiiiiiesig ist in BsAs, sonder dass man den Stadtkern bei Bedarf auch ganz gut zu Fuß erlaufen kann. Bei einigen Stops zum Kaffee trinken und Pizza essen hat uns Herr Muhlert dann noch einiges über die Geschichte und Vergangenheit unserer jeweiligen Projekte erzählt, was auch wirklich mal interessant zu hören war. Nach der Stadtführung hab ich den Tag dann noch gemütlich mit Laura und Matheo beim shoppen, kochen und Rotwein trinken ausklingen lassen.
Für alle, die sich (vielleicht auch angeregt durch meine Berichte?) für Argentinien interessieren, habe ich zwei Buchempfehlungen:


"Mein Name ist Luz" und "Im Himmel Tango" - beides von der argetninischen Autorin Elsa Osorio.
Diese beiden Romane habe ich jetzt gerade hier gelesen (schließlich hab ich ja täglich während meiner Busfahrt zwei Stunden Zeit dafür ;) und kann sie durchaus weiter empfehlen. Gerade weil man mehr so nebenbei eine ganze Menge über die argentinische Vergangenheit erfährt, zB. in "Mein Name ist Luz" über die Militärdiktatur in den 70er Jahren, die Kinder, die zu der Zeit aus den Gefangenenlagern gestolen wurden usw. "Im Himmel Tango" behandelt mehr das Buenos Aires des späten 19./frühen 20. Jhds., was auch sehr interessant ist. Zudem wird viel über die Herkunft und Leidenschaft des Tangos erzählt. Durch diese beiden Romane habe ich erstens verstanden, dass Argentinien von den Einflüssen der vielen Einwanderer geprägt ist, zweitens die Bevölkerung schon immer, wirklich immer, in gesellschaftliche Klassen (arm & reich) unterteilt war (was bis heute so ist!) und drittens ein dunkles Kapitel in der eigenen Landesgschichte besitzt, welches gar nicht so lange zurück liegt und von den Menschen noch lange nicht verarbeitet worden ist...
Zum Schluss möchte ich mich noch mal für all die lieben Rückmeldungen bedanken, die ich für meinen Blog bekomme. Es macht umso mehr Spaß meine Erlebnisse aufzuschreiben, wenn ich weiß, dass viele Leute sich für diese Seite interessieren, auch wenn ich nicht mehr ganz so regelmäßig schreibe wie am Anfang. Wer möchte darf mir natürlich gerne schreiben, entweder über die Kommentarfunktion unter den Beiträgen oder einfach per Email an merlesievers@web.de . Ich freue mich über Nachrichten, Feedback und sonstige Post!
Des Weiteren habe ich wieder ein neues Fotoalbum angelegt, wo Bilder aus den letzten zwei Wochen zu bewundern sind.
So, jetzt bin ich müde und verabschiede mich ins Bett.
Liebste Grüße aus dem langsam sonniger werdenen Buenos Aires,
un abrazo
Merle
Hola Queridos y Queridas =)
Dieser Blog trägt die Parole des wohl allseits bekannten Geruillakämpfers und Revolutionär Ernesto "Che" Guevara als Titel. Anlass dafür gibt ein Kunstwerk, welches mein Mitbewohner letzte Woche erschaffen hat. Mein lieber Mitbewohner Jonas kam nämlich auf die glorreiche Idee, unseren Patio (Innenhof), den wir ja vorrangig zum chillen, Bierchen trinken, nett beieinander sitzen, in der Hängematte gammeln nutzen, mit dem Antlitz des berühmten Che zu verschönern. Man muss dazu wissen, dass "Che" hier eine Art lockerer Ausdruck unter Freunden ist ("Alter", "mein Lieber", "Kumpel") und somit von jedermann mehrmals täglich genutzt wird. Gesagt, getan: Jonas schnappte sich Pinsel und Farbe und begann mit einer Engelsgeduld sein Werk. Freihand und nur vom Cumputer abgemalt! Et voilà: Es ist ihm gelungen! Es sieht wirklich cool aus, uns gefällt's! Mal gucken, ob wir im Laufe unseres Jahres die anderen Wände des Patios auch noch verschönern...Soweiso zum Thema Wohnung und Leben allgemein: Insgesamt gefällt mir das WG-Leben ziemlich gut. Ich weiß nicht, ob ich einfach nur sau Glück mit meinen beiden Mitbewohnern gehabt habe oder ob es in allen WGs so schön friedlich zugeht wie bei uns. Auf jeden Fall kommen wir drei bis jetzt wirklich gut miteinander aus, oft wird abends gemeinsam gegessen oder n Film geguckt. Außerdem ist es auch ganz schön, dass, wenn man von der Arbeit nach Hause kommt, jemand da ist, mit dem man in der Küche mal fix ne Runde schnacken und erzählen kann, was am Tag so passiert ist. Ich bin wirklich froh drüber, dass ich nciht alleine wohne, sondern die Jungs hier habe.

Auch unter dem Aspekt betrachtet, dass die beiden sich meistens gemeinsam und voller Zerstörungswut auf die Kakerlaken stürzen, die sich hin und wieder mal in unsere Wohnung schleichen. Da es vergangene Woche wirklich sehr viel geregnet hat und es einfach kalt, nass und ungemütlich war, haben sich mehr Kakaerlaken als sonst zu uns ins Warme geflüchtet. Naja, leider fanden dann hier alle den Tod, indem sie von Simon und Jonas ausgeräuchert wurden. That's life!
Ein weitaus dramatischeres Ereignis musste mein Mitbewohner diese Woche erleben. Jonas arbeitet zusammen mit Hannah, einer anderen Voluntärin, in der Casa San Pablo, einem Sozialprojekt in San Miguel, welches sich vor allen Dingen um die Familien und Menschen im Barrio kümmert. Also befindet sich das Projekt der beiden auch in einer relativ armen und trostlosen Gegend. Nun sind die beiden am vergangenen Mittwoch auf dem Weg von der Bushaltestelle zur Casa San Pablo überfallen worden. Zwei junge Männer kamen den beiden entgegen, bedrohten sie und entrissen ihnen Rucksack und Handtasche, wobei Hannah sogar zu Boden geschleudert wurde. Jonas hatte zum Glück all seine Wertsachen in der Hosentasche, Hannah wurde dadurch jetzt eben Handy und Geld geklaut. Der Schock saß uns allen, aber natürlich vor allen Dingen den beiden, den ganzen Tag lang noch in den Gleidern, auch wenn Jonas später am Abend schon wieder scherzhaft das Fazit ziehen konnte: "Immerhin sind wir die ersten Voluntäre, die dieses Jahr überfallen worden sind."
Trotzdem haben wir alle noch relativ viel über die Sache gesprochen und nachgedacht. Der Überfall hat uns halt wirklich gezeigt, wie gefährlich diese Barrios sein können, gerade wenn man als vermeintlich reicher Europäer alleine unterwegs ist. Auf der anderen Seite fällt es einem immer schwerer wütend oder sauer auf diese Menschen zu sein, die eben andere Leute überfallen oder beklauen. Je mehr man die Menschen und ihre Lebensumstände hier kennenlernt, umso mehr bekommt man mit, in welcher Armut sie teilweise leben. Gerade die Leute aus dem Barrio leben oft am Rande der Existenz... und so klischeehaft es auch klingen mag: Die Armut treibt die Menschen zu kriminellen Dingen wie Überfällen und Diebstahl - weil sie es einfach nötig haben. Traurig, aber wahr.
Insofern hat die Erfahrung, die Jonas und Hannah diese Woche mit dem Überfall gemacht haben, allseits irgendwie komische, zwiespältige Gefühle ausgelöst...
Seit fünf Wochen lebe ich nun "allein" bzw. selbstständig und kann mit ein bisschen Stolz sagen, dass ich mittlerweile einen mehr oder weniger geregelten Alltag erlangt habe, was wirklich schön ist. Es tut gut, ein bisschen Struktur im Tag zu haben, zu wissen was kommt und trotzdem einigermaßen spontan seine Woche planen zu können.

Ich fühle mich immer mehr zu Hause, auch wenn ich letzte Woche das erste Mal Heimweh hatte, was vor allen Dingen mit dem schlechten Wetter und meinen Kopfschmerzen zusammenhing. Jedoch habe ich die ultimative Lösung gegen Heimweh entdeckt: Einfach die gute, alte Hausmannskost aus Mamas Küche nachkochen! So hab ich letzte Woche schön ne Runde Blumenkohl mit weißer Soße und Frikadellen gekocht. Es ist mir sogar einigermaßen gelungen. Jedenfalls waren meine Mitbewohner schwer begeistert und der eigentliche Vegetarier Jonas hat sogar drei Frikadellen gegessen. Welch ein Kompliment ;)
Des Weiteren kann ich berichten, dass ich mich immer mehr an meine Wirkung als große, blonde Deutsche gewöhnt habe. Mittlerweile stört mich das ständige hinterher pfeifen, hupen und angeguckt werden gar nicht mehr sooo sehr. Klar, ist es immer noch nervig und auch irgendwie eklig, wenn so n alter, schleimiger Kerl dir im Vorbeigehen so was wie "süße Schnecke" zuraunt, aber im Großen und Ganzen habe ich diese Eigenart der argentinischen Männer akzeptiert und finde sogar fast, dass es das tägliche Geschehen auf den Straßen irgendwie lebendiger macht.
Ach ja, es gibt noch eine weitere Veränderung: Ich hab mich piercen lassen! Huiiiii... das klingt dramatischer als es ist. Ich habe mir lediglich ein zweites Ohrloch stechen lassen. Ich hab da schon öfter mal drüber nachgedacht und irgendwie fand ich, dass jetzt der richtige Zeitpunkt dafür ist. Es tat zwar ganz schön weh, aber mittlerweile ist es gut verheilt und ich kann schon problemlos dran rumspielen. Allderdings hab ich von zu Hause schon n bisschen Gegenwind bekommen, weil ich es erst erzählt habe, als es quasi schon zu spät war. Aber das ist ja schließlich auch ein Vorteil eines Auslandsjahres - ich bin groß und ganz alleine, ohne meine lieben Eltern hier, sodass ich leider nicht alles mit ihnen absprechen kann ;) Naja, mir gefällt's auf jeden Fall, ich find's cool! Aber keine Angst: Das war mein erster und letzter Ausflug in ein Piercing- und Tatoostudio. Versprochen!Aus La Paloma gibt es gar nicht soooo viel Neues zu berichten. Letzten Donnerstag habe ich mich mit ein paar Mädels auf die Verkleidungskiste gestürzt - das war ein Spaß! Auf einmal verwandelten sich sechs kleine Mädchen, die sonst mit eher dreckigen, zerissenen Klamotten rumlaufen in Prinzessinen, mit allem was dazu gehört: Krönchen, quietscherotem Lippenstift und viel zu großen hohen Schuhen.
Morgen feiern wir "La Fiesta de Primavera" (Fest des Frühlingsanfangs) in La Paloma mit vielen Spielchen und anderen Aktionen. Außerdem machen wir diese Woche mit den Kleinen, die schon seit einiger Zeit zum Thema "Tiere" arbeiten, einen Ausflug in den Zoo von Palermo, worauf ich mich schon sehr freue. Für viele der Kinder wird es das erste Mal sein, dass sie nach Capital fahren... aufregend!

Letzten Samstag habe ich zusammen mit einigen anderen Voluntären an einer Stadtführung durch BsAs Capital teilgenommen. Angeboten wurde diese Führung von Herrn Muhlert, einem wirklich äußerst fitten, älteren Herrn, der seit seiner Rente hier in Argentinien lebt und schon seit Jahren mit den Projekten der IERP und den Voluntären arbeitet.
Die Ausflug glich weniger einer klassischen Stadtführung, sondern eher einem entspannten Bummel durch die Innenstadt, gespickt mit einigen Informationen hier und dort. Die schönste Erkenntnis war für mich, dass nciht ALLES riiiiiiiiiiiiesig ist in BsAs, sonder dass man den Stadtkern bei Bedarf auch ganz gut zu Fuß erlaufen kann. Bei einigen Stops zum Kaffee trinken und Pizza essen hat uns Herr Muhlert dann noch einiges über die Geschichte und Vergangenheit unserer jeweiligen Projekte erzählt, was auch wirklich mal interessant zu hören war. Nach der Stadtführung hab ich den Tag dann noch gemütlich mit Laura und Matheo beim shoppen, kochen und Rotwein trinken ausklingen lassen. Für alle, die sich (vielleicht auch angeregt durch meine Berichte?) für Argentinien interessieren, habe ich zwei Buchempfehlungen:


"Mein Name ist Luz" und "Im Himmel Tango" - beides von der argetninischen Autorin Elsa Osorio.
Diese beiden Romane habe ich jetzt gerade hier gelesen (schließlich hab ich ja täglich während meiner Busfahrt zwei Stunden Zeit dafür ;) und kann sie durchaus weiter empfehlen. Gerade weil man mehr so nebenbei eine ganze Menge über die argentinische Vergangenheit erfährt, zB. in "Mein Name ist Luz" über die Militärdiktatur in den 70er Jahren, die Kinder, die zu der Zeit aus den Gefangenenlagern gestolen wurden usw. "Im Himmel Tango" behandelt mehr das Buenos Aires des späten 19./frühen 20. Jhds., was auch sehr interessant ist. Zudem wird viel über die Herkunft und Leidenschaft des Tangos erzählt. Durch diese beiden Romane habe ich erstens verstanden, dass Argentinien von den Einflüssen der vielen Einwanderer geprägt ist, zweitens die Bevölkerung schon immer, wirklich immer, in gesellschaftliche Klassen (arm & reich) unterteilt war (was bis heute so ist!) und drittens ein dunkles Kapitel in der eigenen Landesgschichte besitzt, welches gar nicht so lange zurück liegt und von den Menschen noch lange nicht verarbeitet worden ist...
Zum Schluss möchte ich mich noch mal für all die lieben Rückmeldungen bedanken, die ich für meinen Blog bekomme. Es macht umso mehr Spaß meine Erlebnisse aufzuschreiben, wenn ich weiß, dass viele Leute sich für diese Seite interessieren, auch wenn ich nicht mehr ganz so regelmäßig schreibe wie am Anfang. Wer möchte darf mir natürlich gerne schreiben, entweder über die Kommentarfunktion unter den Beiträgen oder einfach per Email an merlesievers@web.de . Ich freue mich über Nachrichten, Feedback und sonstige Post!
Des Weiteren habe ich wieder ein neues Fotoalbum angelegt, wo Bilder aus den letzten zwei Wochen zu bewundern sind.
So, jetzt bin ich müde und verabschiede mich ins Bett.
Liebste Grüße aus dem langsam sonniger werdenen Buenos Aires,
un abrazo
Merle
Montag, 7. September 2009
Projektalltag, mein Alltag, argentinischer Alltag
Sooooo, es ist mal wieder an der Zeit, etwas von mir hören zu lassen.Es ist wieder viel passiert, aber ich versuche mich trotzdem kürzer zu fassen, als die letzten Male...
Letzten Samstag war ich mit den Kids von La Paloma auf einem "Futbol Callejero", einer Art Fußballtunier, das monatlich stattfindet und an dem sämtliche Kinder- und Jugendprojekte aus BsAs teilnehmen dürfen. Das Ganze ist eine Art Freundschaftsspiel, um die Beziehungen zwischen den Projekten du fördern. Außerdem spielen die Kids nach besonders pädagogisch wertvollen Regeln, die dazu dienen sollen, den doch recht ruppigen Fußballstil der Argentinier einzudämmen. So muss beispielsweise in jedem Team mindestens ein Mädchen mitspielen und Punkte lassen sich sowohl durch Tore als auch durch Fairplay erzielen. Auf jeden Fall war es ein schöner, heißer Tag, den wir da gemeinsam in der Pampa von BsAs verbracht haben. Apropos Fußball: Leider hat Argentinien ja dieses Wochenende gegen Brasilien verloren, woran natürlich NUUUUUUUUR der Schiedsrichter schuld war, "dieses unfaire Schwein!" (Zitat eines Mitarbeiters).
Was in letzter Zeit immer besser läuft, ist die Orientierung in dieser großen, großen Stadt. Natürlich kenne ich mich noch lange nicht aus, aber so langsam verfliegt die Angst bzw. der Respekt vor der Millionenstadt und ich traue mich mittlerweile auch, mich einfach in irgendeinen Bus / Zug zu setzen, dessen Strecke ich nciht genau kenne und einfach mal zu hoffen, dass ich richitg ankomme. Bis jetzt hat's auch immer irgendwie geklappt... Der Verkehr hier in Argentinien ist übrigens nicht ansatzweise mit dem in Deutschland zu vergleichen. Während die Autos sich in Deuschland ja einigermaßen geregelt und strukturiert auf den Straßen bewegen, gleicht das Verkehrsbild hier eher dem gepflegten Chaos. Es gilt nicht "Rechts vor Links", sondern "Größer vor Kleiner" und "Schneller vor Langsamer" (kein Scherz!), was dazu führt, dass besonders die Busse sich des Öfteren einfach mal haarscharf an einer Hausecke oder anderen Autos vorbeiquetschen. Kein Wunder, dass fast alle Autos, die ich bisher gesehen habe, mindestens eine große, fette Beule haben und man häufiger mal Zeuge eines Verkehrsunfalls wird. Zum Glück bin ich bisher noch in keinen reingeraten... naja, ist bestimmt nur eine Frage der Zeit.
An dieser Stelle möchte ich mich ganz herzlichen bei allen für die lieben Glückwünsche und Geschenke zu meinem Geburtstag bedanken!

Ich hatte einen wirklich schönen Tag und hab mich gefreut, dass so viele an mich gedacht haben, obwohl ich ja nun mittlerweile schon sechs Wochen weg bin (6 Wochen ??? hui, wie die Zeit verfliegt!). Es war toll die Post von meiner Familie auszupacken und von einer Horde gröhlender Freunde angerufen zu werden (wenn auch vier Stunden zu früh ;). Am Freitagabend waren wir in Quilmes unterwegs, wo wir den Abschied einer Freundin gefeiert haben, die jetzt wieder in Bielefeld studiert, und dabei auch gleichzeitig in meinen Geburtstag reingefeiert haben. Am Samstagabend habe ich dann die ganzen Freiwilligen aus BsAs und Umgebung zu uns in die WG eingeladen. Leider haben wir es versäumt, die Nachbarn wegen des Lärms vorzuwahnen und haben uns deshalb etwas unbeliebt gemacht, fürchte ich. Aber nichtsdestotrotz war es ne nette Party und es war schön, alle um sich zu haben.
Jetzt noch kurz ein paar Sätze zu meiner Arbeit: Insgesamt etwickelt sich alles sehr gut. Von Tag zu Tag verbessert sich mein Spanisch, ich verstehe mehr und die Kinder nehmen mich ernster. Natürlich genieße ich noch lange nicht den selben Respekt wie die Mitarbeiter (ich weiß auch nciht, ob ich es überhaupt jemals auf dieses Level schaffen werde ?!), aber heute habe ich es sogar geschafft, alleine das Duschen zu beaufsichtigen und dafür zu sorgen, dass es keine Großüberschwemmung im Badezimmer gab. Ein kleiner Erfolg!
Allerdings gibt es neben den überwiegend guten auch manche schlechte, bzw. demotivierende Tage. Vergangenen Mittwoch hatten wir beispielweise wieder die wöchentliche Teamversammlung, hier "reunión genannt, bei der das Programm für die nächsten Tage, Probleme und sonstige organisatorische Dinge besprochen werden. Bei diesen Versammlungen wird regelmäßig mein ganzer Stolz über mein vermeintlich gutes Spanisch zunichte gemacht: Ich verstehe so gut wie kein Wort! Auf jeden Fall fühle ich mich im ersten Moment immer so. Klar, die Mitarbeiter haben wenig Zeit, reden deshalb natürlich in einem Affentempo und auf einem ganz anderen sprachlichen Niveau als im täglichen LaPalomageschehen. Nach diesen Sitzungen schwirrt mein Kopf immer so doll, dass ich aus Trotz alles Spanische für diesen Tag aus meinem Leben verbanne. Ich freue mich schon wirklich auf den Moment, wenn ich das erste Mal in dieser reunión sitzen und alles verstehen werde. Hoffentlich kommt dieser Tag irgendwann!
Ansonsten lerne ich die Kinder zur Zeit immer besser kennen, was auf der einen Seite sehr schön, auf der anderen Seite auch teilweise wirklich erschreckend ist. Eine Erfahrung die ich jetzt gerade in der letzten Woche immer öfter gemacht habe, ist das "Mitleid" (blödes Wort, aber ich finde kein besseres) in ganz konkreten Fällen. Zwar wurde mir schon in Deutschland auf den Seminaren und in der Vorbereitung auf das Jahr erzählt, dass viele der Kinder aus armen, sozial schwachen Familien stammen und zum Teil eben auch schon gewaltgeprägte Biografien haben, aber jetzt, wo ich die Kinder täglich sehe und sie als Personen kennenlerne, bekommen die Dinge für mich eine ganz andere Dimension. Letzte Woche Dienstag konnten zum Beispiel die vier Geschwister der Familie "sowieso" nciht kommen, weil ihnen der besoffene Vater das Busgeld weggenommen hat. Bei anderen Kindern habe ich erfahren, dass sie regelmäßig von ihrem Onkel geschlagen werden. Solche Dinge sind schlimm zu hören, aber eben noch mal krasser, wenn man die Kinder kennt, sie täglich sieht und auch erlebt, wie unbeschwert und fröhlich sie sich im Projekt verhalten.
Des Weiteren hat sich meine Einstellung zum Thema Bildung hier etwas gewandelt. Viele der Kinder gehen gar nicht oder unregelmäßig zur Schule. Selbst wenn, dann ist die Schulbildung, die die Kinder hier in den öffentlichen Schulen erhalten oft nicht zu vergleichen mit der deutschen.
Am Anfang war ich schockiert darüber, dass ein 16-jähriger Junge kein einziges Wort auf Englisch kannte oder das 12-jäghrige Kinder nicht mal wissen wo ihr eigenes Land auf der Weltkarte liegt. Mittlerweile bekomme ich immer mehr mit, wie und wo diese Kinder leben. Sie leben in Villas, in Armenvierteln und in besch******* Familien. Da ist es einfach nicht wichtig, dass man Englisch sprechen oder schriftlich dividieren kann !! Sondern da ist es wichtig zu wissen, was esse ich heute, wie sorge ich dafür, dass der kaputte Wasserhahn repariert wird, sodass wir wieder fließendes Wasser haben und wie schütze ich meine kleinen Geschwister vor den Schlägen des Stiefvaters.
Dieses Beispiel soll nicht heißen, dass ich Bildung und Ausbildung der Kinder hier für unnötig oder überflüssig halte (im Gegenteil !), sondern dass ich merke, dass es für viele Menschen einfach nötig ist, ihre Prioritäten anders zu setzen als ich es von zu Hause gewohnt bin, damit überhaupt die Lebensgrundversorgung gesichert ist.
Naja, und bei genau diesen Problemen veruscht La Paloma eben mitanzusetzen. So wie es mir scheint, auch mit Erfolg. Die Kinder kommen gerne und oft auch über Jahre hinweg in das Projekt, sodass sie von La Paloma quasi miterzogen und beim Erwachsenwerden begleitet werden. So hat beispielsweise eine von den Jugendlichen gerade mit 18 ihr erstes Kind bekommen. Ein Erfolg, wenn man dabei beachtet, dass sämtliche andere Frauen aus ihrer Familie vorher immer mit 14 ihr erstes Kind bekommen haben...
So, jetzt ist es doch wieder ganz schön viel geworden. Deswegen ist jetzt auch Schluss!
In meinem neuen Fotoalbum findet ihr Bilder von meinem Geburtstag und den letzten Wochen.
Macht's gut und bis bald.
Saludos, eure von Argentinien beeindruckte Merle
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